Brot und Spiele, brotlose Kunst?

Brot und Spiele. Dieses Mal ging die Rechung nicht auf. 45 000 Euro kamen zu wenig in die Kassen und die Medienfabrik bekommt (dafür) auch noch einen Zuschuss von 60 000 Talern (TV Seite 9). Mir ging gerade so durch den Kopf, wofür die Stadt Trier dieses Geld hätte gebrauchen können. Es ist vielleicht doch nicht alles Gold, was glänzt und Marketingler sind keine Wetterfroschflüsterer …

Wo sind wir denn noch privat?

Ich bin soeben auf einen Artikel bei Deutschlandradio Kultur über die Debatte um die Privatheit der Nutzer im Internet gestoßen und habe ihn geradezu verschlungen. Um es gleich vorwegzunehmen: Für mich sind Netzwerke wichtig. Sie vereinfachen Kommunikation: überwinden räumliche Distanz und bringen Menschen zusammen, die sich ansonsten vielleicht nie kennengelernt hätten. Es sind für mich Beschleuniger des Suchens und Findens auf dem Informationsmarkt.

Facebook ist mächtig geworden, weil wir es nutzen, nicht weil uns jemand dazu gezwungen hat. Wir können unser Bedürfnis nach sozialen Kontakten, Informationsaustausch und Zurschaustellung kostenfrei befriedigen und die Macher setzen alles daran, genau das weiter zu optimieren.  Das ist gut und doch hat es auch einen bitteren Beigeschmack: Kostenfrei ist nicht umsonst! Wer nur einen leisen Schimmer von Informationstechnologie und Selbstständigkeit hat, weiß, dass so eine Plattform einen immensen personellen Apparat hinter sich haben muss. Ein Back-Office, das aus Menschen besteht, die davon leben, uns genau das anbieten zu können.

Was hat das nun alles mit unserer Privatsphäre zu tun? Nun, wer weiß schon so genau, was mit unseren Informationen geschieht? Und was genau ist “Privatheit”? Alles, was man nicht auch aus einem Blick ins Telefonbuch oder einer Suchanfrage im Netz über eine Person erfahren könnte, ist zumindest nicht öffentlich.  Wenn ich meiner Nachbarin an der Beckertheke von den kleinen Alltäglichkeiten berichte, dann überlege ich mir auch, was ich davon preisgebe oder doch lieber für mich behalte. Auch hierbei kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, was davon – unter dem Deckmantel des Vertrauens – an andere weitergegeben wird.

Der für mich bedeutende Unterschied zur Veröffentlichung in Netzwerken wie Facebook und Co. liegt allerdings darin, dass ich mir der Möglichkeit der Informationsverschleppung bewusst bin und sie sozusagen wissentlich in Kauf nehme, eine Art Fahrlässigkeit. Das ist bei Facebook schon schwieriger zu kontrollieren, eigentlich gar nicht. Ich kann lediglich meine Daten löschen und darauf hoffen, dass sie nicht noch irgendwo weiter bestehen. Es heißt, das Netz gibt nichts zurück.

Und was wäre denn dann auch so schlimm daran, wenn jeder auf dieser Welt wüsste, dass ich gerne Nudeln esse und meinen Beziehungsstatus nach Lust und Laune verändere. Ein Einkauf mit meiner Kunden- oder EC-Karte sagt mindestens genauso viel über meine Vorlieben aus. Wer weiß denn so genau, ob das alles vielleicht einfach nur ein Spaß für mich ist? Denn hier könnte ich theoretisch auch eine Scheinidentität ausleben, wie diese Informatikergeister, die sich nicht persönlich outen. Den verlinkten Artikel fand ich durch Facebook, viele Freunde übrigens auch, und wie mein Leben wirklich ist, wissen eben nur eine Handvoll Menschen, denn es ist privat. ;-)